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Erweiterung Auskiesung Heyer

Wachtendonk ist unmittelbar von der Erweiterung der Auskiesung Heyer nur teilweise betroffen, da erhebliche Teile des Erweiterungsvorhabens auf dem Gebiet der Stadt Kempen liegen.

Auf Wachtendonker Gebiet liegt allerdings das vorgesehene Betriebsgelände, das mit der anderen Auskiesungsfläche durch ein langes Förderband verbunden werden soll.

Betreiber der Anlage soll eine Fa. Gelinter Kiesbaggerei aus Weeze werden, deren dortige Auskiesung optisch keinen besonders ansprechenden Eindruck macht, da sich etliche hohe Materialhügel unmittelbar an der Straße befinden.

Hinzu kommt, dass die Förderleitung unmittelbar dortige Wohnbebauung tangiert. Die Anwohner sind schon vom Lärm der Autobahn mit mehr als 55 db geplagt.

Im Planungsausschuß wurde einstimmig mit 12 gegen Null das Vorhaben soweit Wachtendonk betroffen ist, abgelehnt. 

 

Nachfolgend die Stellungnahme mit Kritikpunkten an der geplanten Ausweitung der Abgrabung Heyer des NABU:

 

1. Beantragte Ausdehnung der Abgrabung

 

Aus dem beiliegenden Kartenmaterial wird deutlich, dass die Landschaft um die geplante Abgrabung herum bereits mehrfach in ihrer ökologischen Funktion beeinträchtigt ist. Neben den intensiven Landnutzungsformen, der angrenzenden BAB 40 und den geplanten Abgrabungsflächen sind in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Vorranggebiete für Windenkraftanlagen ausgewiesen, eins davon wurde bereits realisiert. Durch die gesamtökologischen Veränderungen der Planungsflächen (Antragsflächen) werden autochtone Charakteren und Potentiale dieser Landschaft dauerhaft beeinträchtigt oder zerstört.

Der umliegende Landschaftsraum weist ein hohes ökologisches Potential auf (s. angrenzendes NSG Schlothkuhlen), welches sukzessive in seinem Bestand zurückgedrängt und isoliert wird. Die stark konzentrierte Kombination verschiedener intensiver Nutzungsformen auf der hoch gelegenen Mittelterrasse bildet einen unüberwindbaren Riegel insbesondere für die Tierwelt der Ackerflächen, welcher die Populationen von Kleintieren wirksam trennen wird. Folgenutzungen auf den beantragten Flächen in Form von Freizeitnutzungen werden sich zusätzlich nachhaltig verschlechternd auf die ökologische Situation auch im Umfeld der Antragsfläche auswirken.

Aus diesen Gründen lehnen wir die Abgrabung in dem beantragten Umfang von ca. 50 ha ab.

Der Antragsteller überschreitet mit seiner Planung zudem deutlich den nördlich der BAB 40 im Gebietsentwicklungsplan (GEP `99) dargestellten Bereich zur Sicherung und Abbau oberflächennaher Bodenschätze. Das ist  trotz der generellen Flächenunschärfe des GEP - nicht hinzunehmen. Angesichts der Größe der südlichen Abgrabungsfläche regen wir an, die genehmigte Abgrabung nördlich der BAB 40 zugunsten der südlich an die BAB 40 angrenzenden Fläche aufzugeben.

 

Die genehmigte Abgrabung unterschreitet den üblichen Abstand zu der BAB 40 (40 m üblich, hier verringert auf 10 m), was mit der geringen Ausdehnung der Flächen begründet wurde. Bei der nun beantragten Größe der Abgrabungsfläche ist diese Abstandsverringerung nicht mehr zu rechtfertigen und muss dringend zurückgenommen werden. Auf die von Schwerlasttransportern ausgehenden Gefahren für das offen gelegte Grundwasser in den Abgrabungsseen haben wir in unserer Stellungnahme 1997 bereits hingewiesen.

 

 

2. Eingriffskompensation

 

Die Abhandlung der Eingriffsregelung ist aus naturschutzfachlicher Sicht unkorrekt. Die dem Antrag zu entnehmenden Kompensationen entsprechen nicht den Ansprüchen der gebietsspezifisch vorkommenden Arten, die durch die Veränderung der Antragsflächen im Lebensraum eingeschränkt werden. Der Lebensraumverlust wird folglich nicht adäquat kompensiert.

Der ökologische Wert (ÖW) der ca. 30 ha Tiefwasserbereiche wird mit 3,5 angesetzt. Geomorphologisch sind Tiefwasserbereiche, wie dem Antrag zu entnehmen, in der hiesigen Niederrheinebene deplatziert, ökologisch nahezu wertlos und somit höchstens mit ÖW 1 und 0,9 Minderungsfaktor anzuerkennen. Dadurch werden statt 945.095 ÖW lediglich 270.027 ÖW durch diesen Biotoptyp ausgeglichen. Somit besteht ein internes Defizit von 675.068 ÖW. Eine erneute Wertminderung der vorliegenden Kompensationsmaßnahmen durch Beeinträchtigungen (Störfaktoren etc.) möglicher Folgenutzungen innerhalb der Antragsflächen wird vom Antragsteller nicht berücksichtigt. Der Eingriff ist mit den vorgeschlagenen Maßnahmen nicht ausgeglichen.

Die geplante Förderbandanlage zerschneidet auf einer Länge von 1,2 km verschiedene Biotope, ist optisch weit sichtbar und damit aus landschaftsästhetischen Gründen abzulehnen. Sie wird im Vergleich zu der genehmigten Rohrleitung zu einer erhöhten Lärmbelästigung führen. Der Eingriff in Natur und Landschaft durch die langfristige Inanspruchnahme der Förderbandanlage und die damit verbundenen Wartungen wird in der Eingriffsbilanzierung nicht bewertet. Die Wiederherrichtung der Eingriffsfläche Förderbandanlage nach Abschluss der Abgrabung (nach ca. 10 Jahren) reicht nicht aus. Es müssen Alternativen zu der Förderbandanlage untersucht und bilanziert werden.

Insgesamt fordert der NABU eine korrigierte Biotoptypenbewertung und entsprechende Ausgleichsbilanzierung. Für die aufgezeigten Defizite sind externe Maßnahmen erforderlich, die einen Ausgleich für die zerstörten Funktionen von Arten der offenen Agrarlandschaft schaffen. Hierzu fordert der NABU die entsprechend adäquate Kompensation, die den Charakter der zerstörten Agrarlandschaft (Offenland) in extensiver Form beinhaltet. Außerdem erwarten wir, dass bereits mit dem etwaigem

Bau-/Abbaubeginn die zerstörten Flächen sukzessive ausgeglichen werden. Das heißt, der wesentliche Teil der Kompensation ist aus v. g. Gründen außerhalb der Antragsfläche zu realisieren, und kann andernfalls nicht als solche anerkannt werden. Eine adäquate Kompensation ist bei der Umsetzung auf den Antragsflächen (überwiegend nach Beendigung der Bau-/Abbautätigkeiten) damit nur teilweise möglich.

Die Argumentation, gegen Spritzwassereintrag der BAB 40 eine dichte Bepflanzung als vorbeugende Schutzmaßnahme vorzunehmen, verfehlt ihr Ziel. Ein Eintrag von Spritzwasser bzw. Oberflächenwasser der BAB 40 einschließlich belastender Bestandteile des Eintrags lässt sich durch eine dichte Bepflanzung in seiner Auswirkung auf das Grundwasser bzw. auf die Antragsfläche nicht aufhalten. Daher erkennt der NABU die Bepflanzung autobahnseits nicht als Teil der Kompensationsmaßnahmen an.

 

 

3. Folgenutzung

 

Klare Aussagen zur Folgenutzung für die Wasserflächen der beiden Abgrabungsseen sowie ihre Uferbereiche fehlen in den Planunterlagen. Der NABU fordert die Wasserflächen und Uferbereiche der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Hierbei ist zu gewährleisten, dass andere Freizeitnutzungen, die die entstehenden Wasserflächen oder deren Uferbereiche intensiv in Anspruch nehmen (z. B. Surfen, Segeln, Boot fahren, Wasserskianlagen etc.), ausgeschlossen sind. Eine ggf. bei der Gewässergröße erforderliche fischereirechtliche Bewirtschaftung ist unter ökologischen Gesichtspunkten durchzuführen. Eine gewerbliche Nutzung (z.B. Forellenzucht, Karpfenzucht) ist aus ökologischen Gründen auszuschließen.